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Liberating Structures – Entscheidungsfindung in komplexen Zeiten




  • Liberating Structures sind eine Ansammlung von 33 leicht zu erlernenden, hyper-effizienten Meeting-Mikroformaten, die in den unterschiedlichsten Phasen der Entscheidungsfindung ihren Einsatz finden. Seit ca. 20 Jahren gesammelt und weiterentwickelt von Henri Lipowecz und Keith McCandless stellen sie einen Gegenentwurf zu den gewohnten und oft frustrierenden Meetings dar, die wir aus unserem Alltag kennen.

    Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

    Das kann so weit gehen, dass wir Strukturen und Vorgehensweisen beibehalten, die nachweislich nur begrenzten Nutzen haben. Dazu zählen auch die gängigen Techniken zur Entscheidungsfindung, mit denen wir tagtäglich in unseren Meetings und Calls konfrontiert sind: Präsentationen, Diskussionen, Statusberichte, Brainstorming-Sessions… Diese stammen aus einer Zeit, als Geschäftsmodelle noch simpel waren, wo lineare Problemlösungsansätze meistens zum Ziel führten und wo sich nach sorgfältiger Analyse die eine, richtige Vorgehensweise ableiten ließ. In unserer heutigen, stark vernetzten und schnelllebigen Welt mit komplexen Problemstellungen sind sie jedoch höchst ineffizient.

    Was macht Liberating Structures so geeignet für komplexe Umfelder?

    Statt nur einer kleinen Minderheit – den üblichen Entscheidungsträgern und ggf. ausgewählten Experten – beziehen Liberating Structures alle Betroffenen in die Entscheidungsfindung mit ein. Dies erscheint auf den ersten Blick undenkbar – viel zu zeitraubend und teuer. Man stelle sich nur eine offene Diskussion mit 60 aktiv beteiligten Menschen vor… pures Chaos, vergeudete Zeit! Liberating Structures verfolgen ein anderes Konzept. Sie sind strikt time-boxed und laufen parallelisiert ab, wodurch sie massiv skalierbar sind.

    Liberating Structures – Entscheidungsfindung in komplexen Zeiten

    Quelle: NDAB Creativity/Shutterstock.com

    Ein Beispiel: 1-2-4-All

    Waiting_Circle

    Dauer: ca. 12-15 Minuten, Niveau: einfach, Teilnehmer: 2-99+ Personen (empfohlen: 4-80)

    1-2-4-All ist der Alleskönner unter den Liberating Structures und anwendbar in jeder Phase der Entscheidungsfindung (Problemformulierung, Informationsbeschaffung, Lösungsentwurf, Bewertung, Entscheidung, Umsetzung, Feedback). In der Einladung wird eine konkrete Frage gestellt (z. B. „Was hindert uns aktuell daran, unsere Ziele zu erreichen?“), verknüpft mit der Aufforderung, die eigenen Ideen, Anmerkungen und Vorstellungen mitzubringen und zu teilen. Bei einem Vor-Ort-Treffen braucht es ausreichend Platz sowie Schreibmaterial. Für ein Online-Meeting braucht es Breakout-Rooms (Zoom, Teams, …) und ein virtuelles Whiteboard (z.B. Miro). Idealerweise führt ein Facilitator durch das Format.

    Ablauf:

    • Schritt 1 (1 Min.): Jeder reflektiert für sich die gestellte Frage oder Herausforderung.
    • Schritt 2 (2 Min.): Austausch in Paaren, die gemeinsam ihre Ideen weiterentwickeln und schärfen.
    • Schritt 3 (4 Min.): Austausch zu viert. Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden herausgearbeitet, gemeinsame Ideen entwickelt.
    • Schritt 4 (5 Min.): Jede Vierergruppe teilt reihum ihre beste Idee mit der ganzen Gruppe. Bei Bedarf die zweitbeste Idee. Und so weiter.

    Durch das Parallelisieren der Gespräche kommt jeder gleichermaßen zu Wort und die 12 Minuten werden optimal genutzt. Da jeder zu Beginn eine Minute Zeit hat, sich über seine eigenen Gedanken klar zu werden und diese dann im geschützten Rahmen des Paars das erste Mal erproben kann, fühlt sich jeder gehört. So entsteht leichter Neugier für die Ideen, Meinungen, Fragen, Sorgen und Gedanken der anderen. Am Ende kommen überdurchschnittlich gute Ideen heraus. Das sind nicht immer die objektiv besten Ideen (falls es diese überhaupt gibt). Dafür stehen die Beteiligten voll dahinter. Und das ist die Grundlage dafür, dass den Ideen auch Handlungen folgen und somit echte Resultate entstehen. (Quelle und Buchtipp: Daniel Steinhöfer, Liberating Structures. Entscheidungsfindung revolutionieren, 2021)

    Qualitätskriterien für Liberating Structures

    Die derzeit 33 Techniken im Katalog der Liberating Structures sind allesamt …

    • simpel, schnell erlernbar und in jedem Kontext anwendbar
    • viral (weil sie ohne formelles Training adaptierbar sind, funktionieren und Spaß machen)
    • anfängertauglich (keine Experten für die Durchführung notwendig)
    • ergebnisorientiert (generieren innovative und reproduzierbar überdurchschnittlich gute Resultate)
    • rasch wiederholbar (ohne aufwändiges Setup, kurze Dauer, unterstützen eine iterative Arbeitsweise)
    • inklusiv (jeder kann die Inhalte mitgestalten)
    • skalierbar (parallelisiert für alle möglichen Teilnehmerzahlen)
    • geeignet, spielerisch das Gefühl von Freiheit und Verantwortung zu steigern
    • anpassbar an die lokalen Gegebenheiten und andere Initiativen
    • strukturiert (genaue Vorgaben zu Einladung, Raum, Gruppenkonfigurationen, Ablauf)
    • modular (können gewinnbringend miteinander kombiniert werden)

    Eine Einladung

    Herkömmliche Entscheidungen werden meist nicht von den Betroffenen selbst getroffen, was zu Fehlentscheidungen führen kann (weil wichtige Faktoren übersehen werden) oder langwierige Überzeugungsarbeit nötig macht, was nicht selten komplett scheitert. Liberating Structures verspricht Abhilfe durch Einbeziehen der Betroffenen. Das Ergebnis sind praktikable Initiativen und Experimente – die empfohlene Vorgehensweise für komplexe Umfelder.

    Wollen auch Sie das Wissen und die Schwarmintelligenz Ihrer Organisation anzapfen, und dabei das Verantwortungsgefühl und die intrinsische Motivation der Mitarbeiter*innen stärken? Probieren Sie es einfach aus, Sie werden von den Ergebnissen erstaunt sein!

    Weiterführende Literatur

    Eine genaue Beschreibung der einzelnen Liberating Structures, deren Anwendungsbereiche und wie sie miteinander kombiniert werden können, finden Sie auf der offiziellen Website (www.liberatingstructures.com) sowie im kürzlich erschienenen Buch „Liberating Structures. Entscheidungsfindung revolutionieren“ von Daniel Steinhöfer.

    Stefan Ladstätter-Thaa

    In seiner mehr als 20-jährigen Tätigkeit als Entwickler, Requirements Engineer, Usability-Spezialist und Projektmanager hat er Einblick in die unterschiedlichsten Aspekte der Umsetzung von IT-Projekten gewonnen und kann dabei auf einen tiefen Erfahrungsschatz im klassischen und agilen Umfeld verweisen.
    Er sieht erfolgreiches Projektmanagement als Dienst an allen Projektbeteiligten – Auftraggeber, Entwicklungsteam und Anwender.

    Der Beitrag Liberating Structures – Entscheidungsfindung in komplexen Zeiten erschien zuerst auf Austrian Testing Board.

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